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Ratgeber

Das Auto als Speicher: Was bidirektionales Laden bedeutet

Ein Elektroauto steht die meiste Zeit. Gleichzeitig trägt es einen Speicher, der ein Mehrfaches dessen fasst, was ein typischer Hausspeicher bietet. Aus dieser Beobachtung entstand die Idee, Fahrzeuge nicht nur zu laden, sondern auch Strom aus ihnen zu entnehmen.

Technisch funktioniert das seit Jahren. Dass es trotzdem selten genutzt wird, hat mit Normen, Abrechnung und Gewährleistung zu tun.

Was technisch dafür nötig ist

Die Umwandlung zwischen Gleichstrom im Fahrzeug und Wechselstrom im Hausnetz muss irgendwo stattfinden. Je nach Ansatz übernimmt das die Ladestation oder das Fahrzeug selbst. Beide Varianten sind im Einsatz und nicht beliebig kombinierbar.

Dazu kommt die Steuerung. Das System muss wissen, wie viel Energie für die nächste Fahrt reserviert bleibt, und es muss sich mit der Hausinstallation und gegebenenfalls mit dem Netzbetreiber abstimmen. Wie ein solches bidirektionales Lademanagement aufgebaut sein kann, untersucht unter anderem das Fraunhofer ISE.

Die realistischen Anwendungsfälle

Am naheliegendsten ist der Eigenverbrauch: Überschüsse aus der eigenen Erzeugung am Tag speichern und abends nutzen. Damit ersetzt das Fahrzeug einen stationären Speicher, sofern es zu den passenden Zeiten angeschlossen ist.

Der zweite Fall ist die Notstromversorgung bei Ausfall. Ein Fahrzeugakku kann einen Haushalt über einen längeren Zeitraum mit dem Nötigsten versorgen, und dieser Nutzen ist unabhängig von jeder Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Drei Betriebsarten der RückspeisungSie unterscheiden sich darin, wohin der Strom aus dem Fahrzeug fließtBetriebsartWohin der Strom gehtVersorgung einzelner GeräteDirekt an die Steckdose am FahrzeugVersorgung des HausesIn das Hausnetz, oft als NotstromRückspeisung ins öffentliche NetzIn das Verteilnetz, mit AbrechnungEigenverbrauch optimierenZwischenspeicher für die eigene Erzeugungpremiumnewspaper.com
Betriebsarten des bidirektionalen Ladens

Warum die Verbreitung stockt

Es fehlt weniger an Technik als an Festlegungen. Anschlussbedingungen, Messkonzepte und die steuerliche Behandlung entnommener und wieder eingespeister Energie sind komplex. Hinzu kommt die Frage, wie sich häufige Lade- und Entladezyklen auf die Gewährleistung der Batterie auswirken.

Einige Hersteller schließen die Rückspeisung deshalb aus oder begrenzen sie, was für Käuferinnen und Käufer schwer zu durchschauen ist.

Was das für das Stromsystem bedeutet

Ein Netz mit hohem Anteil an Wind und Sonne braucht Flexibilität. Millionen Fahrzeugbatterien wären dafür ein erheblicher Beitrag, weil sie dort stehen, wo der Strom verbraucht wird, und weil sie ohnehin vorhanden sind.

Wie Speicher im größeren Zusammenhang wirken, beschreibt ein Beitrag darüber, wie Speichertechnik erneuerbare Energien nutzbar macht, von Batterien bis zu anderen Speicherformen.

Was Interessierte prüfen sollten

Vier Punkte: Unterstützt das Fahrzeug die gewünschte Betriebsart, unterstützt die Ladestation dieselbe, erlaubt die Hausinstallation den Anschluss, und was sagt der Hersteller zur Gewährleistung. Alle vier müssen zusammenpassen.

Wer neu baut oder saniert, sollte die Leitungen entsprechend vorsehen. Die Nachrüstung ist der teuerste Teil, und sie fällt bei der Elektroinstallation am wenigsten ins Gewicht, solange die Wände offen sind.

Für Mietende und Menschen ohne eigenen Stellplatz bleibt die Technik vorerst uninteressant, weil sie eine eigene Ladeinfrastruktur voraussetzt. Öffentliche Schnellladeangebote wie der Audi Charging Hub sind auf das Laden ausgelegt, nicht auf die Rückspeisung. Das ist eine der Stellen, an denen sich die Energiewende im Gebäudebestand entscheidet und nicht an der Fahrzeugtechnik.

Die Rechnung mit der Batterie

Häufiges Laden und Entladen beansprucht die Zellen, allerdings weniger stark als früher angenommen, solange moderate Ladezustände eingehalten werden. Moderne Systeme steuern das automatisch und halten die Batterie in einem schonenden Bereich. Einen anderen Ansatz verfolgen Batteriewechselsysteme für Elektrofahrzeuge, bei denen der Akku an der Station getauscht wird.

Ob sich der Aufwand rechnet, hängt vom Strompreis, vom Anteil der Eigenerzeugung und von den Standzeiten ab. Für Haushalte mit eigener Erzeugung und regelmäßiger Anwesenheit ist die Rechnung am ehesten günstig.

Wohin es geht

Die Entwicklung verläuft langsam und stetig. Mit jeder Fahrzeuggeneration wächst die Zahl der Modelle, die Rückspeisung unterstützen, und die Regelwerke werden konkreter.

Für den Moment gilt: Wer ein Fahrzeug kauft und die Möglichkeit später nutzen möchte, sollte auf die Angabe im Datenblatt achten, weil sich das nachträglich nicht ergänzen lässt.

Häufige Fragen

Was bedeutet bidirektionales Laden?

Dass ein Elektrofahrzeug nicht nur geladen wird, sondern auch Strom abgeben kann, etwa an einzelne Geräte, an das Hausnetz oder in das öffentliche Verteilnetz.

Schadet die Rückspeisung der Batterie?

Sie beansprucht die Zellen, nach heutigem Stand jedoch weniger stark als lange angenommen, solange moderate Ladezustände eingehalten werden. Die Steuerung übernimmt das System.

Warum ist die Technik noch wenig verbreitet?

Weniger aus technischen Gründen als wegen Anschlussbedingungen, Messkonzepten, steuerlicher Behandlung und Herstellervorgaben zur Gewährleistung.

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